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Geschichte des Kalksandsteines

 

Vom Kalkmörtel zum Kalkmörtelstein

Die Kenntnis, dass Kalkstein durch Brennen als Verbindungsmaterial von Gesteinsbrocken genutzt werden kann, reicht weit in die Vergangenheit zurück. Speziell im Juragebiet der Schweiz sind noch Erzeugnisse urzeitlicher Kalkstein- Brennstellen vorhanden, die sich weit vor der Zeit der Römer datieren lassen.

Pont du Gard in Frankreich

Die technisch versierten Römer verfeinerten und beherrschten den Umgang mit dem wundersamen Kalkmörtel und bauten ganze Städte damit. Heute noch bestehende Aquädukte zeugen von der Dauerhaftigkeit der Verbindung Kalkmörtel ? Stein.

Die Idee, den Kalk als Bindemittel für einen Wandbaustein zu verwenden, wurde erst ab 1800 ernsthaft verfolgt. So ging die Entwicklung von Rydin, einem schwedischen Architekten, der versuchte, ganze Häuser aus Kalksandmörtel zu giessen, über Prochon, der aus dem gleichen Material einzelne Wände stampfte, hin zum deutschen Arzt Dr. Bernhardi, der 1854 mit einer handbetriebenen, hölzernen Hebelpresse die ersten luftgehärteten Kalkmörtel-Mauersteine fertigte.

 

Geburtsstunde des Kalksandsteines

Dem luftgehärteten Kalkmörtel-Mauerstein haftete ein grosser Mangel an ? er hatte nur geringe Druckfestigkeit. Einmal mehr half die Natur ? in Form des Sandsteines ? den Tüftlern und Erfindern zum Durchbruch. Die Sandsteinbildung erfolgt in der Natur unter Kieselsäurebildung und Verbindung des Sandkorns über sehr lange geologische Zeiträume. Dr. Wilhelm Michaelis, der Baustoffchemiker aus Berlin, war der erste, der eine Mischung aus Kalk, Sand und Wasser unter Dampfdruck härtete.

Die 1880 eingereichte Patentschrift No. 14195 «Verfahren zur Erzeugung von Kunstsandstein» gilt deshalb als eigentlicher Durchbruch. Bis zur Umsetzung der Idee zur industriellen Nutzung vergingen weitere 14 Jahre. 1894 kam die erste Presse in Neumünster in den Betrieb, gleichzeitig wurde auch herausgefunden, dass vor dem Pressen ein Lagern des Mischgutes für den Lösch- prozess des Kalkes unbedingt notwendig ist. 1894 gilt deshalb als eigentliches Geburtsjahr des industriell gefertigten Kalksandsteines.

In den Jahren 1898 und 1899 nahmen weitere Kalksandsteinwerke in Deutschland und im übrigen Europa ihre Produktion auf. Der Siegeszug des genialen «Naturproduktes» ? unter den Bezeichnungen «Hartsteine», «Kalksandziegel» und «Kalksandstein» ? war nicht mehr aufzuhalten. Dabei war auch die Schweiz, die ab 1899 Kalksandsteine in Pfäffikon SZ herstellte.

 

Die Geschichte des Kalksandsteines in der Schweiz

Nur fünf Jahre nach der ersten industriellen Fertigung begann auch in der Schweiz die Geschichte des Kalksandsteines:

 

1899

 

Erste Produktion von Kalksandsteinen in der Steinfabrik Zürichsee in Pfäffikon SZ

 

1907

 

Bau der Kalksandstein-Fabrik Brugg nach den Plänen der Elbinger Maschinenfabriken für Herrn Hans Hunziker

Kalksandstein-Fabrik Brugg

1911

 

Bau der Fabrik in Olten durch AG Hunziker & Cie

 

1912

 

Bau einer Kalksandstein-Fabrik in Brig zur Fabrikation von Tunnelsteinen für den Simplontunnel

 

1927

 

Bau der Kalksandstein-Fabrik der Kanderkies in Einigen am Thunersee

 

1955

 

Gründung der Hard und Bau der Kalksandstein-Werke in Dietikon und Volketswil

 

1988

 

Hard baut modernes Werk in Volketswil und stellt Dietikon still

 

1996

 

Stilllegung des Werkes Pfäffikon SZ nach 97 Jahren

 

2002

 

Stilllegung des Werkes Olten

Unter dem Verband Schweizer Kalksandstein Produzenten haben sich folgende drei Schweizer Kalksandstein-Herstellwerke

- HKS Hunziker Kalksandstein AG in Brugg
- Hard AG in Volketswil
- CREABETON MATERIAUX AG in Einigen

zusammengeschlossen.

Alle Werke können auf modernen Anlagen Kalksandsteine von hoher Qualität produzieren. Die Rohstoffvorkommen mit Natursanden und gebrochenem Kies mit hohem Quarzgehalt eignen sich hervorragend für das Qualitätsprodukt Kalksandstein.